PNP vom Samstag, 8. November 2008 Lokalteil Pocking

Als Kößlarn vor 140 Jahren in Flammen stand

In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 1868 brannten 15 Wohn- und 18 Nebengebäude nieder - Markt hatte damals noch keine Feuerwehr

Von Gerold Zue
Kößlarn. In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 1868 passierte in Kößlarn etwas, das entscheidend für die Geschichte des Feuerlöschwesens der Marktgemeinde war. 15 Wohn- und 18 Nebengebäude, also 33 Firste, brannten gänzlich nieder. Der Feuersturm vernichtete Unwiederbringliches wie etwas das Modler-Haus mit seiner prachtvollen Stuckfassade. Es war die schwerste Brandkatastrophe in der Marktgeschichte. Die Ursache des Brandes konnte nicht ermittelt werden. Einige behaupteten, dass das Feuer durch Unvorsichtigkeit der Glaser-Magd entstanden wäre.

Fast alle Gebäude sind aus Holz


Die Häuser zu beiden Seiten der Marktstraße waren früher mit wenigen Ausnahmen aus Holz gebaut, hatten weit vorspringende Dächer und waren mit leicht entflammbaren Legschindeln gedeckt. Öfters hieß es am Wirtstisch, wenn es einmal brenne, sei der ganze Markt gefährdet. Als besonders gefährliche Stelle galten damals das Glaser- und das Urlhart- Haus, weil dort die Häuserreihe ein scharfes Eck bildet, so dass die rückwärtigen Holzlegen, Stadel und Stallungen ganz eng zusammengerückt waren. An jenem 13. Oktober fand in Kößlarn eine Hochzeit statt im damaligen Brauereigasthof Kirschner (heute Gasthof Zur Alten Post). Der Bräutigam war Franz Weidinger, Häusler in Westerbach, die Braut Maria Eckinger, Zimmererstochter aus Aigen. Alles war lustig und fröhlich. Um 19 Uhr stürzte plötzlich die Bräuerstochter Maria Kirschner in die untere Gaststube mit dem Schreckensrufe: „Es brennt.“ Entsetzt sprangen alle Gäste auf und rannten hinaus. Die Flammen schlugen schon über das Glaser-Haus hinaus. Der Erste, der zum brennenden Haus kam, war wohl der Felixberger aus Holzhäuser. Er kam gerade recht, als zwei Kühe aus dem Hause rannten. Er nahm die Tiere und führte sie gegen Fraunberger hinauf, wo sie ihm ein fremder Mann entriss, später tauchten sie dann wieder auf. Die Leute waren in erster Linie auf die Bergung ihrer Habseligkeiten bedacht. Sie stürzten in die Häuser und warfen den Hausrat auf die Straße. Viel zerbrach, noch mehr wurde gestohlen. Viele sah man schwer bepackt nach allen Seiten davonlaufen. Am Marktplatz hörte man nur noch das Geschrei und Jammern der Frauen und Kinder. Später brachte man die Kinder und die geretteten Sachen auf eine Wiese Richtung Ragern. Auch dort wurde viel gestohlen. An ein Löschen des Brandes war zunächst nicht zu denken. Es gab keine organisierte Feuerwehr, und die Lösch- und Rettungseinrichtungen waren hoffnungslos veraltet. Nur eine unzulängliche Spritze aus dem Jahr 1819 war vorhanden. Auf den Gedanken, die Nachbarhäuser zu schützen, kam man nicht. So konnten die Flammen ihr Zerstörungswerk ungehindert fortsetzen. War einmal ein Holzschindeldach in vollem Brand, so genügte etwas Wind, um den Funkenregen bzw. das Flugfeuer von Giebel zu Giebel zu tragen. Es herrschte eine heillose Unordnung und große Ratlosigkeit. Der Erste, der ans Löschen dachte, war der besonnene Benefiziat Hundsberger, damals Zehn-Uhr-Messe-Leser. Er rief Jugendliche und Erwachsene zusammen, schickte sie um Eimer und Geschirre, formierte zwei Reihen Handlanger bis zum Kesselbach und zurück und ließ die alte Feuerspritze bringen. Doch das Feuer hatte bereits so weit um sich gegriffen, dass man mit der einen Spritze nichts mehr ausrichten konnte. Es kam auch niemand auf den Gedanken, Boten auszuschicken, um Hilfe herbeizuholen. Da es bereits dunkel war, zeigte die mächtige Brandröte am Himmel aber ohnehin weitum das Feuer an. Nur der Schmiedemeister Will warf sich auf sein Ross und jagte nach Rotthalmünster. Dort glaubte man, es brenne bei Aicha. Als Will ihnen dann zurief „mitten in Kößlarn“, fuhren sie gleich ab.

Bayerbacher bringen die erste Feuerspritze


Die erste Feuerspritze, die ankam, nach 20 Uhr, war die aus Bayerbach. Mit bei den Ersten war auch die aus Birnbach. Um 20.30 Uhr kamen die Rotthalmünsterer. Als sie in den Markt einfuhren, brannte das Feuer bei der jetzigen Apotheke schon lichterloh zum Fenster heraus. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Im Laufe der Nacht kamen 13 Feuerspritzen zusammen. Die Hitze war bereits so groß geworden, dass man sich auf der Straße kaum mehr aufhalten konnte. Nun ging’s an die Aufstellung. Die gefährlichste Stelle war beim jetzigen Erbertseder-Haus (früher Mühlarzt Vogginger), wo ein kleines Gässchen die Häuserreihe abschließt. Hier nahmen die Birnbacher Aufstellung. Sie waren mit zehn Mann gekommen. Das Kommando hatte Johann Matzberger, der sich dann in Kößlarn als Schlosser niederließ. Die Birnbacher arbeiteten ununterbrochen die ganze Nacht mit beispielloser Zähigkeit, Geschicklichkeit und Aufopferung. Es dürfte ihnen zu verdanken sein, dass das Feuer in Richtung Unterer Markt nicht mehr weiter vordringen konnte und dieser Teil des Marktes vor dem Untergang gerettet wurde.

Löschwasser ist ausreichend vorhanden

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An zwei sehr gefährlichen Stellen im Markt waren zehn Spritzen gegen das wütende Element im Einsatz. Wasser war in ausreichender Menge vorhanden - aus dem Kesselbach und den vielen ergiebigen Marktbrunnen. Es waren aber sehr viele Handlanger notwendig, um die vielen Spritzen ununterbrochen mit Wasser zu versorgen. Manche „Feuergaffer“ und Faulenzer sprangen aus der Reihe. Es bedurfte großer Energie, um die Leute bei der Stange zu halten. Wie gefährlich die Lage für den ganzen Markt gehalten wurde, zeigt die Tatsache, dass bereits auch im oberen Markt und der hinteren Gasse zum Forsthaus hinaus ausgeräumt wurde. Noch um Mitternacht glaubte man, dem Feuer nicht mehr Herr werden zu können. Die brennenden Legschindel flogen überall im Markt herum und fielen auf die holzgedeckten Dächer. Um ein Uhr nachts kam endlich die Erlösung. Ein günstiger Westwind trieb die Rauch- und Feuerschwaden und Funken gegen die Wiesen am Voglberg. Erst jetzt konnte man aufatmen. Es wurde noch die ganze Nacht gelöscht und gearbeitet, und als der Tag graute, lag ein großer Teil des Marktes in Schutt und Asche. Über die Entstehung des Brandes verlautete, dass die Magd des Glasers glühende Asche auf den Düngerhaufen gestreut hätte. Dadurch hätten die anliegenden, hölzernen Gebäude Feuer gefangen. Gesehen hat es aber niemand. Nach dem Brand erkannten die Kößlarner, wie notwendig eine Feuerwehr ist. Schon am 6. November 1868 wurde eine Wehr gegründet und als Vorstand der Maurermeister und Bürgermeister Stöfl gewählt. Laut Passauer Donau-Zeitung gab es 1868 erst 32 Feuerwehren in ganz Niederbayern.


©Neue Presse VerlagsGmbHzurück


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